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Gesundheitsversorgung – Mehr für weniger?

Die Kosten im Gesundheitssektor steigen stetig. Wie bleibt unser System da noch zukunftsfähig? Ist es möglich, mit weniger Ausgaben einen grösseren Mehrwert zu erzielen? An der Jahrestagung der HSK am 5. September in Bern entwerfen Experten Zukunftsvisionen und beleuchten das Thema aus verschiedenen Blickwinkeln.

Der Gesundheitssektor in der Schweiz befindet sich in einer Kostenspirale. Seine starke Fragmentierung und eine Mischung aus staatlicher Regulierung und Wettbewerb sorgen für Ineffizienzen, unübersichtliche Prozesse und teilweise unwirtschaftliches Investitionsverhalten. Damit werden die im KVG verankerten Grundprinzipien der Wirtschaftlichkeit, Zweckmässigkeit und Wirksamkeit gefährdet und letztlich das Budget aller Beteiligten belastet. Faktoren, die ausserdem dazu beitragen, dass das Schweizer Gesundheitssystem als eines der teuersten der Welt gilt. Gleichzeitig belegen internationale Studien, dass die Schweizer Gesundheitsversorgung zu Recht als vorbildlich bezeichnet wird.

Doch welche Transformation braucht es für das System der Zukunft? Und besteht überhaupt eine realistische Option für eine «Idealwelt», in der qualitative Leistung bei gleichzeitiger Kostensenkung erzielt werden kann?

Viele Branchen durchlaufen aktuell grosse Veränderungen. Nach Meinung der HSK ist es auch im Gesundheitswesen dringend an der Zeit und für die Gesundheit des Systems unerlässlich, bestehende Strukturen zu hinterfragen und neue Lösungen offen zu diskutieren. Freuen Sie sich mit uns auf spannende Vorträge und angeregte Diskussionen zu diesem hochbrisanten Thema an unserer Jahrestagung.

Fragmentierung der Spitallandschaft schafft falsche Wettbewerbsanreize

«Ambulant vor stationär» – einer der grössten Kostenhebel wurde per 1. Januar 2019 als neue Regelung in der Krankenpflege-Leistungsverordnung (KLV) verankert. Der aktuelle Anstieg der Renovierungs- und Bauinvestitionen in Schweizer Spitälern – insbesondere häufig im stationären Bereich – erscheint in diesem Kontext widersprüchlich. Je nach betrachtetem Zeitraum beträgt das Investitionsvolumen gemäss öffentlich zugänglichen Quellen zwischen 15 und 30 Mrd. Franken. Steigende Kosten, der Aufbau von Überkapazitäten und ein Komfort über den Versorgungsbedarf hinaus sind die Folgen. Gleichzeitig schätzt eine Studie, dass 77 % der heute stationär durchgeführten Eingriffe potenziell genauso gut ambulant erfolgen könnten. Diese Zahl bezieht sich auf die sechs Gruppen chirurgischer Leistungen, die seit der Änderung der Verordnung über Leistungen der obligatorischen Krankenpflegeversicherung (KLV) in 2019 ambulant durchgeführt werden müssen, sofern keine medizinischen Kontraindikationen vorliegen. Sind also Spitalinvestitionen in dieser Grössenordnung bei einer so hohen Spitaldichte wie in der Schweiz überhaupt noch vertretbar?

Best Practice Vorbild Dänemark?

Mit Dr. Nadja Kronenberger von Healthcare DENMARK als Referentin werfen wir an der HSK Tagung einen Blick ins Ausland. Dänemark zeigt mit dem Konzept der «Superhospitals», dass es auch anders geht. Zwar werden auch hier bedeutende Investitionen in die Spitallandschaft vorgenommen. Doch erfolgen diese zentral geplant und konzentriert. Das Land verfügt über ein praktisch vollständig staatliches Gesundheitswesen, dessen Planung, Leitung und Finanzierung zentral gesteuert werden. Die neue Spitalstruktur folgt strikt der Philosophie: alles, was ambulant behandelt werden kann, wird ambulant durchgeführt. Kronenberger hat die Erfahrung gemacht: «Mehr für weniger ist bei guter Planung möglich.» Erforderlich sei dafür ein kohärentes Gesundheitssystem, in dem alle Sektoren eng zum Wohle des Patienten zusammenarbeiten.

Mehr oder weniger Gesundheitsversorgung – ein Thema, das jeden betrifft

Heidi Hanselmann, Regierungspräsidentin und Vorsteherin des Gesundheitsdepartementes im Kanton St. Gallen sowie Präsidentin der Schweizerischen Konferenz der kantonalen Gesundheitsdirektorinnen und -direktoren (GDK) wird an der Tagung als Referentin die Perspektive der Politik aufzeigen. Dabei wird es um hochaktuelle Themen sowohl auf nationaler als auch auf kantonaler Ebene gehen. Zu Ersteren zählen das Massnahmenpaket des Bundesrats, die Zulassungssteuerung oder die einheitliche Finanzierung stationärer und ambulanter Leistungen (EFAS). Mit den gemeinsamen Spitalplanungsempfehlungen, für die sich die GDK ausspricht oder dem Potenzial der Hochspezialisierten Medizin (HSM) wird Heidi Hanselmann einige Topthemen im Hinblick auf die Zukunft des Gesundheitssektors beleuchten. Ausserdem wird sie uns einen spannenden Einblick in das Projekt im Kanton St. Gallen für die Weiterentwicklung der Spitalstrategie geben. «Bei der Gesundheitsversorgung zählt nicht nur die Quantität, sondern die Qualität. Was wir brauchen ist eine moderne, sichere und finanzierbare Versorgung», so Hanselmann. Geschickte Kooperationen und Netzwerke seien dafür die Basis. Sie steht ein für eine überkantonale Gesundheitsversorgung und begrüsst grundsätzlich die Einführung von Globalbudgets zur Kostendämmung.

Optimierung des Preis-Leistungsverhältnisses

Nicht die Kosten, sondern das Preis-Leistungsverhältnis zu optimieren, fordert Dr. Jérôme Cosandey, Directeur romand und Forschungsleiter Sozialpolitik bei Avenir Suisse. Mit neuen Formen der Umverteilung werde reine Symptombekämpfung betrieben. Aus seiner Sicht braucht es Lösungen, die zu einem besseren Preis-Leistungsverhältnis in der Gesundheitsversorgung führen. Das Problem? «Die steigenden Ausgaben im Gesundheitssektor sind in aller Munde, doch kaum jemand will für andere geradestehen.» Gemäss Cosandey braucht es «Anreize, die den Wettbewerb, die Innovation und die Qualität fördern, zum Beispiel im Spitalbereich oder in der Alterspflege.» Ob er das Beispiel aus Dänemark als Best Practice Case betrachtet? Die Podiumsdiskussion an der HSK Tagung wird es zeigen.

Sinn vor Effizienz

Für Adrian Schmitter, CEO des Kantonsspitals Baden AG, stellt sich zuallererst die Frage nach dem Sinn einer Leistung: «Es gibt nichts Sinnloseres, als etwas effizient zu tun, das gar nicht getan werden sollte.» Seit 2016 ist Schmitter Präsident Akutsomatik des Verbands Aargauischer Krankenanstalten (VAKA) und hat in dessen Zentralvorstand das Amt des Vizepräsidenten inne. Aus seiner Sicht lohne es sich, mögliche Angebote zu hinterfragen, ehe man sich der Effizienzsteigerung widme. Für die Zukunftsfähigkeit des Gesundheitssektors und dessen Qualitätserhaltung braucht es laut Schmitter insbesondere Netzwerke und Zusammenarbeit: «Jedem Täli sein Spitäli: Die Schweizer Gesundheitsversorgung ist laut WHO auf Platz 1. Sie ist breit abgestützt und leicht zugänglich. Damit sie auch bezahlbar bleibt, müssen Leistungserbringer sich vernetzen und Kooperationen eingehen.»

Mehr für weniger durch Künstliche Intelligenz?

Spricht man heute über ein optimiertes Preis-Leistungsverhältnis im Gesundheitssektor, kommt man dabei kaum noch am Thema Digitalisierung vorbei. Die Möglichkeiten, die sich durch digitale Technologien wie die Künstliche Intelligenz ergeben, scheinen tatsächlich unendlich. Getan hat sich in der Digitalisierung der Branche zwar schon Einiges, insbesondere bei den Versicherern. Das verbleibende Potenzial ist jedoch immens. Eine Untersuchung des Health Tech Swiss Center im Rahmen der Studie «digital.swiss» zeigt, dass die Digitalisierung des Gesundheitswesens in der Schweiz aktuell erst zu 20 % vollzogen ist. Fabian Unteregger, Referent und diesjähriger Moderator der HSK Tagung sieht die Notwendigkeit, den Patienten wieder ins Zentrum allen Handelns zu rücken: «Mit einem effizienten System sollten Ärzte dank Künstlicher Intelligenz bessere Ergebnisse erzielen.» Doch was verbirgt sich eigentlich genau hinter dem Schlagwort «Künstliche Intelligenz»? Und kennen Sie bereits den Unterschied zwischen Machine Learning und Deep Learning? Fabian Unteregger wird in seinem Referat nicht nur darauf eingehen, sondern mit konkreten Beispielen auch das Potenzial der Technologien für den Gesundheitssektor und insbesondere für die Qualität und Effizienz der Diagnostik auf anschauliche Weise verdeutlichen. Was können wir in diesem Zusammenhang von Dänemark lernen? Und was ist die Meinung der anderen Experten zum Potenzial der Digitalisierung im Gesundheitswesen? Ist für unsere Experten alles nur ein Hype oder realistische Zukunftsvision?

Überkantonale Lösungen und homogene Cluster als Priorität

Eliane Kreuzer von der Einkaufsgemeinschaft HSK sieht sowohl im akutstationären als auch im ambulanten Bereich der Spitalversorgung einen grossen Hebel für eine zukunftsfähige Transformation des Gesundheitssektors: «Heute leisten wir uns eine hohe Spitaldichte mit einem sehr breiten Behandlungsspektrum.» Dies führe zu Ineffizienzen und falschen Wettbewerbsanreizen. Investitionen, wie der Ausbau von stationären Kapazitäten, die aus Sicht der HSK über den Bedarf aus Versorgungssicht hinausgehen, seien die Folge, die den Vorgaben aus Bundesbern – Stichwort «Ambulant vor Stationär» – hinterherhinkten. Die HSK ziehe diese Faktoren jedoch konsequent in ihre Preisverhandlungen mit ein. Die Lösung aus ihrer Sicht? «Die Überwindung des Kantönligeists und die Einteilung der Spitäler in homogene Cluster.» Letztere dienen der Bildung eines soliden Fundaments für Transparenz, Qualität und Vergleichbarkeit der Daten, welche im zweistufigen Preisfindungsprozess als Basis für das Benchmarking SwissDRG dienen. In der zweiten Stufe des Preisfindungsprozesses soll dieser Aspekt auf die kommenden Verhandlungen Einfluss haben. Dies ist für die Einkaufsgemeinschaft HSK der nächste Schritt zur Stützung der datenbasierten Preisverhandlungsstrategie, die sie konsequent anwendet, mit dem Ziel, faire und angemessene Ergebnisse zu erzielen.

Seien Sie dabei – 8. Tagung der Einkaufsgemeinschaft HSK

Die Jahrestagung unter dem Motto «Gesundheitsversorgung – Mehr für weniger» wird am 5. September im Zentrum Paul Klee (ZPK) in Bern stattfinden. Seien Sie dabei und erleben Sie mit unseren Tagungsreferenten spannende Vorträge und angeregte Diskussionen im anschliessenden Podiumsgespräch. Wir freuen uns, dass der bekannte Parodist und Komiker Fabian Unteregger nicht nur durch den Tag führen und selbst referieren, sondern mit einer Comedy Einlage auch für beste Unterhaltung sorgen wird. Seine Auftritte reflektierten in der Vergangenheit auch immer wieder seinen Werdegang und seine besondere Beziehung zum Gesundheitssektor: schloss er doch sein Medizinstudium mit Spitalpraktika im In- und Ausland an der Universität Zürich ab.

Die Einladungen werden in den kommenden Wochen versendet. Wir freuen uns auf Ihre Anmeldung und den persönlichen Austausch mit Ihnen in Bern.

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Eliane Kreuzer

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